Immer öfter greifen wir Menschen in den Prozess ein, der für die Entstehung eines neuen Lebens von größerer Bedeutung nicht sein könnte: die Befruchtung einer Eizelle durch Sperma. In diesem Moment verschmelzen die Erbgüter von Vater und Mutter. Bei der natürlichen Befruchtung wird die Eizelle im Eileiter befruchtet und geht dann in die Gebärmutter, um sich dort einzunisten und zu entwickeln. Idealerweise erblickt dann knappe zehn Monate später ein kerngesundes Baby das Licht der Welt und macht einen Mann und eine Frau zu glücklichen Eltern. Was aber kann man tun, wenn kein Partner in Sicht ist? Wenn die Uhr tickt, der Kinderwunsch stark ausgeprägt ist, die Bedingungen alle stimmen, und einzig der Erzeuger fehlt? Dann ist eine künstliche Befruchtung ohne Partner das Mittel der Wahl.

künstliche Befruchtung ohne Partner

Bild & Quelle: Kaewmanee jiangsihui , shutterstock

Entwicklungsgeschichte der künstlichen Befruchtung

Bereits zwei bis fünf Prozent der Neugeborenen in Industrie-Ländern sind das wunderbare Ergebnis künstlicher Befruchtung. Alleine in Deutschland sind es bereits über 250.000 Kinder, weltweit betrachtet über acht Millionen. Der erste Mensch, der durch diese medizinische Schöpfungshandlung zur Welt kam, ist die Engländerin, Louise Brown, die letztes Jahr ihren 40. Geburtstag feiern konnte. Robert Edwards, Erfinder der In-vitro-Fertilisation wurde 2010 verdienterweise mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.
Kaum eine andere medizinische Errungenschaft hat das Leben auf Erden so stark beeinflusst wie die Möglichkeit, Menschen zu Nachwuchs zu verhelfen. Während der unerfüllte Kinderwunsch verheirateter Paare aber seit Jahren ein gesellschaftlich anerkanntes Thema für Cocktailpartys zu sein scheint, tut sich die Gesellschaft bei alleinstehenden Frauen immer noch schwer. Die künstliche Befruchtung ohne Partner ist eines der letzten Tabus auf diesem Feld. Gegner führen als Argument häufig an, dass ein Kind beide Elternteile braucht, sowohl Mutter als auch Vater. Natürlich ist das auch das Argument, das homosexuelle Paare immer wieder zu hören bekommen. Wenn man sich aber anschaut, dass jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird, Tendenz steigend, immer mehr Paare sich nach wenigen Jahren trennen, dann ist dieses Argument doch nicht wirklich überzeugend. Eine alleinstehende Frau, egal ob hetero- oder homosexuell, die gerne Mutter werden möchte, zu dieser Zeit aber keinen Partner für diese Aufgabe hat, kann doch ebenso viel Liebe geben wie ihr verheiratetes Pendant. Wenn die Mutter gesund und in der Lage ist für ihr Kind emotional, finanziell und zeitlich zu sorgen, dann sollte der fehlende Partner kein unüberwindbares Hindernis sein. vort
Oft genug werden eben diese Frauen schon alleine von den Vorurteilen der Gesellschaft, den Risiken einer künstlichen Befruchtung und den Kosten abgeschreckt, alles Hemmnisse, die man nicht außer Acht lassen sollte. Galten künstlich gezeugte Kinder bis vor ein paar Jahren noch als exakt gleich gesund wie ihre natürlich gezeugten Spielkammeraden, so zeigte eine vor Kurzem erschienene Studie im “Journal of the American College of Cardiology”, dass künstlich gezeugte Kinder schon früh Gefäßprobleme haben, die später lebensgefährlich werden können. Diabetes, Bluthochdruck, häufiger auftretende Fehlbildungen, all dies sind Risiken, die eine unnatürliche Befruchtung birgt.
Vielleicht war und ist es auch naiv anzunehmen, dass Embryonen, die in Petrischalen entstanden sind und in einer Form von Nährmedium bebrütet wurden, sich genauso entwickeln wie jene, die eine Gebärmutter als Dach über ihrem sich entwickelndem Köpfchen hatten. Doch egal zu welchem Schluss die Wissenschaft hier in den nächsten Jahren kommen wird, kein Ergebnis wird die Leben jener Menschen auch nur einen Deut weniger wertvoll und wunderbar machen.

Grundsätzlich unterscheidet man, vor allem rechtlich, zwischen zwei Arten der künstlichen Befruchtung:

Homologe Insemination (Besamung)

Homologe Insemination ist die Befruchtung der Frau mit dem Sperma des Ehegatten oder Partners einer festen, dauerhaften Partnerschaft. Diese Form ist in den allermeisten EU-Staaten erlaubt. Die homologe Insemination beinhaltet auch die Insemination bei einer unverheirateten Frau, sofern diese in einer festen und definierten Partnerschaft lebt.

Donogene bzw. heterologe Insemination

Samenspender für heterologe Insemination

Bild & Quelle: Yuriy Maksymiv , shutterstock

Wenn der Samenspender nicht der Ehemann oder Partner der potentiell werdenden Mutter ist, spricht man von einer heterologen oder donogenen Insemination. Eine solche Fremdspende ist weder ethisch noch juristisch unproblematisch, ganz besonders dann, wenn der Spender anonym ist. Kinder sollen ein Recht darauf haben, zu erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Dieses Interesse wird in Deutschland über den Kinderwunsch einer alleinstehenden Frau gestellt. Hier greift das “Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung”. 1989 legte das Bundesverfassungsgericht fest: „Als Individualisierungsmerkmal gehört die Abstammung zur Persönlichkeit, und die Kenntnis der Herkunft bietet dem Einzelnen unabhängig vom Ausmaß wissenschaftlicher Ergebnisse wichtige Anknüpfungspunkte für das Verständnis und die Entfaltung der eigenen Individualität. Daher umfasst das Persönlichkeitsrecht auch die Kenntnis der eigenen Abstammung.“ (Urteil des Ersten Senats des BVerfG vom 31.01.1989 – 1 BvL 17/87). Kinder, die aus einer Samenspende entstanden sind, müssen also die Möglichkeit haben, ihren Spender zu identifizieren. Da das bei einer anonymen Spende nicht möglich ist, müsste diese ja in Deutschland verboten sein. Hier begibt man sich aber faktisch in eine Grauzone. Denn künstliche Befruchtungen werden wiederum vom Embryonenschutzgesetz geregelt und hier ist die Befruchtung durch Spendersamen nicht eigens erwähnt. Realität ist aber, dass viele Ärzte lesbische, unverheiratete oder Singles nicht behandeln. Durch eine Richtlinie der Bundesärztekammer sind Gynäkologen nämlich dazu angehalten, alleinstehende Frauen nicht zu behandeln, selbst wenn sie an einen Spendersamen gekommen sind.
Außerdem übernehmen die Krankenkassen keinerlei Kosten für die Behandlung, im Gegensatz zur homologen Insemination, bei der durchschnittlich 50 Prozent der Kosten von den Kassen getragen werden.

Das Glück im Ausland finden

Kinderwunsch-Klinik Spanien

Bild & Quelle: No-Mad, shutterstock

Wenn eine alleinstehende Frau also den Wunsch in sich verspürt, Mutter zu werden, muss sie sich mit ihrem Kinderwunsch in die Hände unserer Nachbarn geben. Als strahlendes Beispiel soll hier Dänemark genannt werden, die seit Jahren deutschen Frauen seit Jahren dabei helfen, ihr Problem, namentlich die künstliche Befruchtung ohne Partner, zu lösen.
In Dänemark brauchen Frauen nämlich keinen Partner, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, hier übernehmen das die Ärzte. Die liberale Gesetzgebung der Dänen erlaubt seit 2007 allen Frauen, sich in einer Kinderwunsch-Klinik mithilfe von Fremdsamen künstlich befruchten zu lassen.
Dabei wird Sperma mithilfe eines kleinen Röhrchens oder einer Spritze in der Gebärmutterhöhle der Patientin platziert. Vor der Behandlung empfiehlt sich immer eine hormonelle Stimulierung der Eierstöcke, damit die Frau aufnahmefähiger ist. Da anonyme Samenspenden erlaubt sind, ist die Bereitschaft der Männer, ihren Samen zu spenden, unvergleichlich viel höher. Das Risiko späterer Ansprüche durch das entstandene Kind ist schließlich nicht existent. Dänemark profitiert in doppelter Hinsicht davon. Zum einen boomt der Markt für die künstliche Befruchtung ohne Partner und schwemmt viel Geld in die Landeskasse, zum anderen steigt die Geburtenrate stetig. Mittlerweile ist jedes zehnte Kind, das in Dänemark durch künstliche Befruchtung entsteht, Kind einer alleinstehenden Frau. Diese Geburten waren vor 2007 auch hier undenkbar. Ein Kosenamen für die Entwicklung wurde auch schnell gefunden: Solomors, auf Deutsch: Solo-Mütter.
Ole Schou, Vorsitzender von Cryos International in Dänemark, der weltgrößten Samenbank, sagt: “Ungefähr 50 Prozent unserer Kundinnen sind heute schon Singles”, 85 Prozent sind zwischen 31 und 45 Jahre alt. Die Samenbank rechnet sogar damit, dass in wenigen Jahren ca. 70 Prozent der Kundinnen alleinstehend sein werden. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Behandlung für dänische Frauen auch noch gänzlich kostenfrei ist.
Dieses Privileg genießen deutsche Frauen zwar nicht, die Kosten halten sich aber, verglichen mit Deutschland, in Grenzen. Durchschnittlich 550 Euro kostet eine Insemination, allerdings nur in dem Fall, dass die Patientin das Sperma selbst mitbringt. Sperma aus einer Samenbank zu kaufen, kostet zwischen 1000 und 1200 Euro. Anonyme Spenden sind günstiger, wenn das Kind zu seinem 18. Geburtstag erfahren soll, wer der biologische Vater ist, zahlt man mehr.
Vor der Befruchtung muss Frau sich noch den üblichen Untersuchungen unterziehen, einen HIV- und Hepatitis-Test machen, aber dann darf das Wunder tatsächlich auch schon seinen Lauf nehmen. Eine Einschränkung gibt es allerdings auch in Dänemark: die werdende Mutter darf nicht älter als 45 Jahre sein.
Viele deutsche Unternehmen haben den Trend natürlich längst erkannt und bieten unterstützende Dienste an. So kann man sich in Deutschland an eine Vermittlungsagentur wenden, bei der man sich vor Ort beraten lassen kann und die auch alle weiteren Schritte organisiert. Dieser Dienst will natürlich bezahlt sein, aber das Geld ist hier sicherlich gut investiert. Die Auswahl der Klinik, die Kontaktaufnahme zu den Ärzten, die Reise, der Aufenthalt, all diese Punkte werden von den Agenturen betreut. Je nach gewähltem Service-Paket, müssen sich die zukünftigen Mütter dann wirklich um (fast) nichts kümmern und können sich ausschließlich auf das bevorstehende Erlebnis fokussieren.
Dänemark ist, wie bereits erwähnt, nicht das einzige Land, in dem die künstliche Befruchtung ohne Partner möglich ist. Leider, bzw. glücklicherweise, je nachdem welches Land man als Maßstab nimmt, sind die Regelungen innerhalb der EU allerdings nicht homogen. Deswegen hier ein kleiner Überblick über Regeln und Möglichkeiten bei unseren Nachbarn:

Belgien
Seit März 2007 ist die künstliche Befruchtung hier legalisiert.

Frankreich
Eine anonyme Samenspende ist erlaubt.

Italien
Leihmutterschaft ist in Italien verboten, bis 2014 waren es auch Eizellspende und heterologe Insemination. Die letzten beiden Punkte wurden erst 2014 erlaubt.

Niederlande
Anonyme Samenspende ist erlaubt.

Österreich
Samenspende durch Dritten ist erlaubt. Seit 2015 nun auch endlich für lesbische Paare.

Schweiz
Die heterologe Insemination ist nur bei Ehepaaren erlaubt, dafür sind die Krankenkassen hier sehr großzügig, sie tragen die vollen Kosten.

Spanien
Seit 2007 ist in Spanien die heterologe Samenspende erlaubt.

Vereinigtes Königreich
Im United Kingdom ist die anonyme Samenspende erlaubt.

Weiterführende Quellen:

www.welt.de/wissenschaft/article179900342/Louise-Brown-das-erste-Retortenbaby-der-Welt-wird-40.html

www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/research-in-context/details/news/bluthochdruck-bei-nachwuchs-nach-kuenstlicher-befruchtung/

www.co-eltern.de/Kunstliche-Befruchtung-als-Single.php