Was ist TESE?

Aus verschiedensten Gründen kann es dazu kommen, dass ein Kinderwunsch eines Paares nicht Realität wird. Dies liegt nicht unbedingt nur an der Frau. Was ist, wenn im Spermiogramm des männlichen Ejakulates überhaupt keine Spermien gefunden werden können (Azoospermie)? Früher gab es in diesem Fall keine Chance, den Wunsch vom eigenen Kind wahr werden zu lassen. Männern, die zum Beispiel an inoperablem Samenleiterverschluss leiden oder deren Spermienreifung hochgradig gestört ist, kann heutzutage aber mit einer testikulären Spermienextraktion (TESE) geholfen werden. Dabei werden die Samenzellen bei einer ambulant durchgeführten Operation direkt aus der Gewebeprobe des Hodens gewonnen, anders als bei der MESA, bei der das Gewebe aus dem Nebenhoden entnommen wird.

was ist TESE

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Im Folgenden wird erklärt, welche allgemeinen Möglichkeiten es für das Problem der Azoospermie gibt, welche Gründe für eine Spermiengewinnung aus Hodengewebe sprechen, wie bei dem Verfahren der TESE vorgegangen wird, welche Chancen und Risiken es hervorbringt und mit welchen Kosten zu rechnen ist.

Warum sollte man zusätzliche Spermien gewinnen?

Der Grund für eine Spermiengewinnung aus Hodengewebe ist das Fehlen von Spermien im Ejakulat. Es werden also weniger “zusätzliche” Spermien gewonnen, sondern vielmehr überhaupt erstmal welche gefunden. Die Ursachen für Azoospermie sind vielseitig und reichen von genetischen Störungen bis hin zum Verschluss der Samenleiter, zum Beispiel durch Entzündungen. Auf jeden Fall kann heutzutage mit modernen Methoden auch in einer solch hoffnungslos erscheinenden Lage der eigene Kinderwunsch in die Tat umgesetzt werden.

Spermienqualität

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Welche Möglichkeiten gibt es allgemein?

Die Situation sollte zuerst sorgfältig diagnostiziert werden. Es kann nämlich sein, dass das Fehlen der Spermien aufgrund verschlossener Samenwege verursacht wird, sodass keine TESE notwendig wäre. Dann könnten die Samenwege operativ durchgängig gemacht und eine natürliche Befruchtung möglich gemacht werden. Das sollte auch im Falle einer früher durchgeführten Sterilisation (Vasektomie) berücksichtigt werden. Liegt es wirklich an der Spermienproduktion in den Hoden, verhilft die Spermiengewinnung aus dem Hodengewebe in vielen Fällen zum erfüllten Kinderwunsch. Die Spermien können dabei vom Hoden (TESE) oder Nebenhoden (MESA) gewonnen werden.

Voraussetzungen für eine TESE

Wie bereits erwähnt, sollte die Spermiengewinnung aus Hodengewebe nur angewendet werden, wenn die Samenwege nicht verschlossen sind und es sich um ein Problem der Spermienproduktion handelt. Deshalb ist eingangs eine ausführliche Diagnose vonnöten.
Ratsam, aber nicht zwingend notwendig, ist eine genetische Beratung und Chromosomenanalyse beider Partner, bei der die Analyse einer Blutprobe von einem Humangenetiker durchgeführt wird. Dies hilft bei der Einschätzung der Lage und Auswahl der Methoden. Das Ergebnis der Analyse ist voraussichtlich 4 Wochen später erhältlich.
Natürlich sollten Vor- und Nachteile dieser Kinderwunsch-Methode mit dem Partner/der Partnerin im Vornherein besprochen werden. Auch ein Vorabgespräch mit dem Arzt Ihres Vertrauens kann den Weg weisen.

Ablauf

Wurden nach mehreren Proben des Ejakulats immer noch keine Spermien gefunden, kann die testikuläre Spermienextraktion durchgeführt werden. Bei dem ambulanten Eingriff entnimmt der Urologe aus beiden Hoden mehrere Gewebeproben. Dabei wird mit einem kleinen Schnitt die Hodenkapsel eingeschnitten und 2 bis 3 stecknadelkopfgroße Gewebestücke entnommen. Sollten sich befruchtungsfähige Spermien darin befinden, werden diese eingefroren und aufbewahrt. Nach etwa 14 Tagen sollte spätestens alles abgeheilt sein.
Die Befruchtung der Eizelle erfolgt anschließend über eine ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion).

Kosten

Die Kosten für dieses Verfahren belaufen sich auf 800 Euro bis 1.500 Euro. Die Preise schwanken von Klinik zu Klinik. Will man den vollen Umfang des Prozederes errechnen, kommen noch die Kosten zur Lagerung der entnommenen Samen sowie für die künstliche Befruchtung dazu.

Wie sieht es mit der Deckung der Kosten durch Krankenkassen aus?
Die meisten Krankenkassen beteiligen sich an operativen Verfahren zur Gewinnung von Samenzellen. Allerdings sehen sie die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung bei den Methoden TESE (und MESA) sehr unterschiedlich. Häufig wird die Samengewinnung nur als Teil der künstlichen Befruchtung angesehen und daher nicht separat von den Kassen berücksichtigt. Auf jeden Fall muss der Patient die Aufbereitung, das Einfrieren und die Lagerungskosten selbst tragen.
Um hunderprozentig sicherzugehen, sollte man sich vor der Entscheidung für die Spermiengewinnung aus Hodengewebe unbedingt bei der zuständigen Krankenkasse Informationen einholen.

Risiken

Abgesehen von den üblichen Narkose- und Operationsrisiken treten in seltenen Fällen Nachblutungen, Blutergüsse und Infektionen auf. Nach einer durchgeführten Operation kann es außerdem zu einer Verkleinerung einer oder auch beider Hoden kommen. In extremen Fällen ist sogar das Absterben einer der Hoden möglich. Relativ häufig jedoch kommt es zu einer vorübergehenden Verringerung der Testosteronproduktion, was nicht weiter schlimm ist.
Da die TESE mit einer anschließenden ICSI einhergeht, muss bedacht werden, dass sich die Partnerin bei dieser Behandlung einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke unterziehen muss, was eine starke körperliche und seelische Belastung mit sich bringt.
Erwähnt werden sollte wohl auch, dass das Risiko für Missbildungen des Babys bei ICSI-Befruchtungen leicht erhöht ist. Außerdem kommt es öfter zu Mehrlingsschwangerschaften, was mit einem erhöhten Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten einhergeht.

IVF Zwillinge

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Für den ein oder anderen sind wahrscheinlich auch die Kosten ein gewisses finanzielles Risiko. Eine gute Planung kann da Sicherheit schaffen.

Chancen

In 75% aller Fälle können Spermien im Hodengewebe gefunden und extrahiert werden. Da man die gewonnenen Zellen in mehreren Proben einfriert, ist es möglich, nach einer erfolgreichen TESE jederzeit erneut eine ICSI durchzuführen. Die Rate für eine erfolgreiche Schwangerschaft durch ICSI liegt bei rund 30% pro Versuch.
Sollten bei Azoospermie auch im Hodengewebe keine Spermien gefunden werden, besteht für den Mann leider keine Hoffnung auf ein genetisch eigenes Kind. Dann verhilft nur noch eine Insemination mit Spendersamen zum Kinderwunsch.

Weiterführende Informationen

Bei Interesse am Thema der Spermiengewinnung aus Hodengewebe finden Sie auf folgenden Webseiten weiterführende Informationen:

www.kinderwunsch-ulm.de/behandlungen/mesa-tese/
www.familienplanung.de/kinderwunsch/behandlung/tese-mesa/#c60299
www.kinderwunschzentrum.org/siegen/leistungen/tese/